NÄNZI
NÄNZI

15. November 2019

Liebe Freunde von NÄNZI, liebe Kunstfreude,

heute vor sechs Jahren ist NÄNZI gestorben.
Sie fehlt immer noch schmerzhaft.
Für viele von uns ist sie jedoch nicht zuletzt durch ihre Kunst täglich da. 

NÄNZIs selbstbewusste Prinzessinnen, Göttinnen und Hexen, Görls und Mädels, Bäuerinnen und Sexarbeiterinnen, Ungläubige und Sünderinnen, Rachefurien und Odalisken, Kaputte und Überlebende, Karin, Minna, Dolores und Vivienne – alle auch ein bisschen NÄNZI – leisten uns Gesellschaft in Kunst- und Wohnräumen, Ateliers und Arbeitsbereichen. Sie sind Urfrauen, schamfrei und weiblich; sie haben viel erlebt.

NÄNZI hatte viele weibliche Idols: Maria Callas, Madonna, Prinzessin Diana, Marilyn Monroe, Camille Claudel, Romy Schneider und überhaupt Frauen, die für ihre Schönheit und Wandelfähigkeit, aber auch Leid, bekannt wurden. 

NÄNZIs Bruder Harald hat einige unbekannte Arbeiten auf Papier aus der prägenden Punkzeit entdeckt. Aus dieser Zeit stammt übrigens auch der Künstlernamen NÄNZI, nach der Lebensgefährtin von Sid Vicious, dem Bassisten der englischen Punkband Sex Pistols. Damals trug NÄNZI wohl immer selbstgebastelte Puppen aus Papiermache in den Taschen. Später nahm sie häufig ihre Skulpturen auf Ausflügen mit und stellte diese den neu hergestellten Figuren vor, die für den Anlass besonders zurecht gemacht wurden.

 

Aufgrund diverser Widrigkeiten können wir dieses Jahr leider nicht die übliche November-Ausstellung machen.
Hinzu kommt, dass der Arbeitsraum in Schöneweide neu sortiert wird.
Wenn wir so weit sind, werden wir zu einer neuen Präsentation einladen.
Das geplante Buch ist noch nicht unmittelbar in Sicht, nimmt jedoch immer mehr Form an.

 

Mit den besten Grüßen,
Helen Adkins & Dietmar H. Heddram 
Nachlassverwaltung NÄNZI

 

Es sei allen gedankt, die die Pflege des Nachlasses durch Spenden, Ankäufe, Großzügigkeit sowie tatkräftige Unterstützung ermöglichen. 

Spendenkonto: Harald Reichert / Verwendungszweck: NÄNZI Nachlasspflege / IBAN: DE22 620901000151968012

Dr. Helen Adkins • Tel. 030 2161585

museumsakademie@t-online.de • www.helenadkins.de

Dietmar H. Heddram • Tel. 0152/58151487 • heddram@web.de

 

Fennstraße 9 - 11 · 12439 Berlin Schöneweide · 1. Eingang links im Hof / 1. Etage · (S-Bahnhof Schöneweide)

 

Es ist eine umfangreiche Publikation zu Nänzis Werk geplant.

Das Buch soll eine lebendige Mischung aus einer Collage des Gesamtwerkes und einem klassischen Referenzbuch für das Skulpturenwerk werden.

Nänzi hat Skulpturen von groß bis klein in Ton, Gips, Keramik, Acrystal, Beton und Bronze, Collagen, Künstlerbücher, Fotos, Zeichnungen, Übermalungen und Drucke hinterlassen. Das plastische Werk, vor allem die Gipse, stehen im Zentrum der Produktion.

Ihr Thema ist der Mensch, in erster Linie die Frau, und wie diese in ihrer Physiognomie einen seelischen Zustand darstellt. Viele ihrer weiblichen Figuren scheinen verstörend existentiell bedroht zu sein, andere strotzen vor erotischer Weiblichkeit. Der starke „Ich-Bezug“, die Neigung, sich selbst performativ als Skulptur zu inszenieren oder sich selbst als Modell zu nehmen, zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk. Nänzi hat ihre Figuren bemalt, gekleidet, frisiert und geschminkt. Auch bei gleichen Güssen ist jede Figur ein Unikat. 

In Ausdruck und Haltung sind die Figuren häufig vom Abbild Menschenfiguren geprägt, die der Künstlerin in frühen Jahren begegnet sind: christliche Andachtsfiguren, Bauernschnitzereien, Spielpuppen und Marionetten, aber auch altgriechische Plastiken und die Arbeit von Auguste Rodin.