NÄNZI
Danke Amor

 

Liebe Freunde von NÄNZI, liebe Kunstfreude,

Heute wäre NÄNZI 59 geworden. Ein Grund ganz besonders an sie zu denken. 

Sie hätte sich über das Aktionsbündnis Fair share - Sichtbarkeit für Künstlerinnen sehr gefreut und selbstverständlich an der Aktion vom 8. Mai am Kulturforum teilgenommen.

Ihr provokatives und wechselhaftes Aussehen hat regelmäßig zu Belästigungen durch Männer geführt und das Vertrauen von Institutionen in der Ernsthaftigkeit Ihrer Kunst getrübt. Sie liebte Männer – was jedoch nicht bedeutet – dass sie sich Ihnen andienen wollte. Ihre Arbeit ist mit ihrer eigenen Verletzlichkeit als Frau eng verwoben. NÄNZIs Frauen sind dennoch stolz auf Ihre Weiblichkeit, sie sind Göttinnen und Prinzessinnen, Geliebte, Geschlagene und Vergewaltigte. Sie sehen längst nicht alle wie die traditionelle Venus aus, aber erotisch und schön sind sie, mit starkem Selbstbewusstsein und trotz widriger Umstände. Sie weigern sich, zu kapitulieren, sind trotzig und eigenwillig.

Wir sind stolz, den Nachlass noch aktiv erhalten zu können und bedanken uns von Herzen für das engagierte Interesse, das NÄNZI nach wie vor gilt. Selbst im harten Coronajahr 2021 sind ihre Arbeiten in Berlin im Verein Berliner Künstler (Ausstellung Tod von Franziska Rutishauser kuratiert) sowie in der Galerie Amalienpark (Kunstauktion) zu sehen gewesen. Es ist schön, dass NÄNZI bei ihren ehemaligen Künstlerkollegen noch so präsent ist.

Ausdrücklich bedanken möchten wir uns ebenfalls bei der wachsenden NÄNZI-Fangemeinde, die die Pflege des Nachlasses durch Spenden und Ankäufe ermöglicht. Last but not least, hat der Rückzug in einen Lagerraum – dank der nachhaltigen Unterstützung des Hauseigentümers aber leider nicht mehr für die Öffentlichkeit geeignet – das Weiterführen unserer Arbeit trotz Corona ermöglicht.

Und wo bleibt das ultimative BUCH? Wie Ovid schon sagte: „Was lange währt, wird endlich gut.“ Wir bitten um Geduld und Zuversicht – Tugenden, die heut zu Tag doch recht strapaziert werden. Es ist ganz aktuell ein heller Lichtstrahl am Ende des Tunnels zu sehen – wir brauchen dazu noch die Möglichkeit einer begleitenden Ausstellung... und arbeiten daran!

Mit besten Grüßen,

Helen Adkins & Dietmar H. Heddram

 

Es sei allen gedankt, die die Pflege des Nachlasses durch Spenden, Ankäufe, Großzügigkeit sowie tatkräftige Unterstützung ermöglichen. 

Achtung, neue Kontoverbindung:

Sonderkonto: Dr. Helen Adkins / Verwendungszweck: NÄNZI Nachlasspflege

IBAN: DE76 1203 0000 1072 3181 48

 

Dr. Helen Adkins • Tel. 030 2161585

museumsakademie@t-online.de • www.helenadkins.de

Dietmar H. Heddram • Tel. 0152/58151487 • heddram@web.de

 

 

Es ist eine umfangreiche Publikation zu Nänzis Werk geplant.

Das Buch soll eine lebendige Mischung aus einer Collage des Gesamtwerkes und einem klassischen Referenzbuch für das Skulpturenwerk werden.

Nänzi hat Skulpturen von groß bis klein in Ton, Gips, Keramik, Acrystal, Beton und Bronze, Collagen, Künstlerbücher, Fotos, Zeichnungen, Übermalungen und Drucke hinterlassen. Das plastische Werk, vor allem die Gipse, stehen im Zentrum der Produktion.

Ihr Thema ist der Mensch, in erster Linie die Frau, und wie diese in ihrer Physiognomie einen seelischen Zustand darstellt. Viele ihrer weiblichen Figuren scheinen verstörend existentiell bedroht zu sein, andere strotzen vor erotischer Weiblichkeit. Der starke „Ich-Bezug“, die Neigung, sich selbst performativ als Skulptur zu inszenieren oder sich selbst als Modell zu nehmen, zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk. Nänzi hat ihre Figuren bemalt, gekleidet, frisiert und geschminkt. Auch bei gleichen Güssen ist jede Figur ein Unikat. 

In Ausdruck und Haltung sind die Figuren häufig vom Abbild Menschenfiguren geprägt, die der Künstlerin in frühen Jahren begegnet sind: christliche Andachtsfiguren, Bauernschnitzereien, Spielpuppen und Marionetten, aber auch altgriechische Plastiken und die Arbeit von Auguste Rodin.